Umweltmanagement - Grünes Hospital

Quelle: Brendel-Ing. Dresden

Das Energiekonzept: Umweltbewusst und umweltfreundlich

Die Ökobilanz von deutschen Krankenhäusern ist – im Vergleich zu Büroimmobilien – unbefriedigend. Eine Klinik ist ein 24-Stunden-Betrieb, hat betriebsbedingt einen hohen CO2-Ausstoß: Er liegt um das rund 2,5fache über vergleichbaren Bürogebäuden und jede Klinik hat einen hohen Ressourcenverbrauch.

Umso wichtiger war es bei der Planung, dass hier im Schaumburger Land ein umweltbewusst wirtschaftendes Klinikum gebaut wird, damit die Energiekosten in der Zukunft auch betriebswirtschaftlich vertretbar sind. Unter „Grünes Klinikum“ verstehen wir also einerseits, die tatsächlich gärtnerische „Einbettung“ in die Landschaft, andererseits aber vor allem auch ökologische Nachhaltigkeit, die auch aus betriebswirtschaftlicher Hinsicht absolut notwendig ist.

Bei der Entwicklung des Energiekonzeptes für das AGAPLESION EV. KLINIKUM SCHAUMBURG gGmbH standen folgende Ideen und Visionen im Vordergrund:

 

1. Möglichst geringer Energiebedarf

Wie kann man am besten Energie einsparen? Indem man sie überhaupt nicht verbraucht! Mit diesem Grundgedanken wurde das „Gesamtklinkum Schaumburger Land“ in seiner Grundkonstruktion konzipiert.

  • So stellt die Gebäudeform,- bestehend aus drei Würfeln, ein sehr gutes Verhältnis von Außenfläche, also der Fläche, über die gerade im Winter Wärmeverluste an die Außenwelt entstehen, zur Nutzfläche dar.
  • Durch die Verwendung von modernsten Isoliermaterialien erreichen wir annähernd eine energetische Qualität, wie sie einem Niedrigenergie-Haus entspricht.

Diese Maßnahmen führen dazu, dass der zulässige Primär-Energiebedarf, bezogen auf die statische Beheizung, um ca. 27 % unterschritten wird.

 

2. Effiziente Energieerzeugung

Außerdem wurde auf der Erzeugerseite großer Wert auf eine hohe Effizienz bei der Erzeugung der erforderlichen Medien wie Wärme, Kälte und Strom gelegt.

  • Kernstück dieses Erzeugersystems sind zwei Blockheizkraftwerke, die sowohl Wärme als auch Strom erzeugen und den Grundlastbedarf decken. Die Wärme dieser Blockheizkraftwerke kann im Sommer auch dazu genutzt werden, um mittels einer Absorptionskältemaschine, Kälte für die Lüftungsanlagen als auch Prozesskälte für die medizin-technischen Großanlagen bereitzustellen.

    • Über die beiden Blockheizkraftwerke werden 60 % der benötigen Elektro-Energie, 80 % der benötigten Wärme-Energie und 45 % der benötigten Kälte-Energie bereitgestellt.
    • Weitere 20 % der benötigten Kälte-Energie wird aus der sogenannten ‚freien Kühlung‘ bereitgestellt. Tage mit geringer Außentemperatur werden genutzt werden, Prozesskälte aus der Außenluft zu erzeugen.

  • Zusätzlich werden zur Abdeckung der Spitzenlast hoch effiziente Kompressionskältemaschinen eingesetzt.
  • Im Bereich der Wärmeerzeugung wird das System durch zwei Niederdruck-Heißwasserkessel, die bivalent betrieben werden (Gas-/Ölbetrieb) ergänzt.

    • Mit diesen Kesselanlagen ist es möglich, Spitzenlasten, die nicht durch das BHKW abgedeckt sind, zu erzeugen und zusätzlich bereitzustellen.
    • Der Einsatz von Kombi-Brennern bei diesen Kesselanlagen ermöglicht auch einen Weiterbetrieb des Krankenhauses bei Ausfall/Unterbrechung der Gasversorgung über mehrere Tage.

 

3. Hoch effiziente Energieverwendung

Die zuvor erzeugte Energie wird nun über Leitungs- bzw. Rohrnetzsysteme den verschiedensten Anlagenarten zur Verfügung gestellt:

  • Hier kommen z. B. Lüftungsanlagen zum Einsatz, die mit Wärmerückgewinnungssystemen mit sehr hohem Wirkungsgrad ausgestattet sind.

    • Zum Beispiel werden bis zu 90 % der zuvor eingebrachten Energie an Wärme bzw. Kälte über Tauschersysteme der Abluft entzogen und der Zuluft wieder zugeführt.

  • Ein weiterer Punkt ist, dass insbesondere die Lüftungsanlagen bedarfsabhängig gesteuert werden können. Das bedeutet: Die jeweilige Lüftungsanlage stellt nur so viel Luft bereit, wie für den augenblicklichen Betriebszustand der daran angeschlossenen Räumlichkeiten erforderlich ist.

    • Dadurch wird der Bedarf an zugeführter Energie auf ein Mindestmaß reduziert.

  • Das gesamte System der Energieerzeugung und -verwendung wird über eine hoch moderne Gebäudeautomation gesteuert.

    • Diese hat u. a. die Aufgabe, die Verwendung der Energie auf ein Mindestmaß zu reduzieren und rückgeführt, die Energieerzeugung auf diesen Bedarf angepasst zu steuern.
    • Weiterhin erlaubt die Gebäudeautomation unnötig auftretende Energieverwendung durch impliziertes Monitoring-System frühzeitig zu erkennen und dadurch auch schneller abstellen zu können.

  • Auch die Stör- und Wartungsmeldungen der jeweiligen Anlagen sind auf dieses System aufgeschaltet.

Hier ein Überblick über das System Energieerzeugung und –verwendung, bitte beachten Sie dabei, dass es sich bei den aufgeführten Daten um Anschlusswerte der jeweiligen Anlagen handelt.

Höhe des CO2-Ausstoß des „AGAPLESION EV. KLINIKUM SCHAUMBURG gGmbH“  

Anhand des oben dargestellten Energiekonzeptes wurde der CO2-Ausstoß auf Grundlage der Daten des BImsch-Verfahrens berechnet. Dieser würde bei hundertprozentiger Auslastung der Klinik bei ca. 3.140 to/Jahr liegen.

Damit liegt der Klinik-Neubau ca. 30 % unter dem Co2-Ausstoß der damals in Betrieb befindlichen Kliniken, Krankenhaus Bethel Bückeburg, Kreiskrankenhaus Rinteln und Kreiskrankenhaus Stadthagen.

Zur Kompensation des Co2-Ausstoßes wurden außerdem umfangreiche Bepflanzungen vorgenommen: Auf dem Klinikgelände selbst wurden ca. 520 Bäume gepflanzt. Im Außenbereich der Klinik, vor allem auf zuvor angekauften Ausgleichsflächen- die alle in der unmittelbaren Nähe des „AGAPLESION EV. KLINIKUM SCHAUMBURG gGmbH“ liegen, wurden weitere 60 hochstämmige Bäume, 1.300 Sträucher und 415 Erlenstecklinge gepflanzt.

Eine weitere Kompensation erreichten wir durch umfangreiche Begrünung der Außenanlage des Klinikgeländes und der Innenhöfe, die sich in der Kubatur des Klinikgebäudes ergeben. Außerdem werden große Teile der Dächer begrünt.